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Interview der Woche

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Foto SAE: Sahen am Ende der Saison gerne wie begossene Pudel aus: Julius Brink (links) und Jonas Reckermann mit Siegersekt bei der DM.

Interview der Woche: Näher dran sein. Das ist das Ziel der DVV-Homepage. Im Interview der Woche kommen Sportler, Trainer, Funktionäre und Ehrenamtliche zu Wort. Zu aktuellen Geschehnissen oder aber auch zu Vergangenem und Zukünftigem, wo sich ein Nachfragen einfach lohnt.

Interview vom 9.9.2010: Jonas Reckermann: „Wir hatten ein konstant hohes Niveau“

Eine lange Saison ist für Julius Brink/Jonas Reckermann zu Ende gegangen. Zwar gelang kein Sieg auf der World Tour und die EM verlief nicht so wie gewünscht, dennoch war auch 2010 nach dem überragenden Jahr 2009 ein überaus erfolgreiches für das Weltmeister-Duo: Weltranglistenplatz fünf bei nur neun Turnieren (die Dritten und Vierten haben 13 bzw. 14 Turniere im Ranking), darunter sechs Halbfinal-Teilnahmen sprechen für sich. Wie Reckermann die Saison beurteilt und dass doch noch nicht ganz Schluss ist, verrät er im „Interview der Woche“.

Die internationale und nationale Saison ist beendet. Froh darüber?
Reckermann: „Einerseits froh, weil so eine Saison natürlich immer sehr anstrengend für Kopf und Körper ist. Andererseits sind wir am Ende, z.B. in Timmendorfer Strand, nach der Verletzungspause wieder langsam in Schwung gekommen, und topfit machen Turniere natürlich noch mehr Spaß...Jetzt freue ich mich aber dennoch auf die Zeit ohne Beach-Volleyballtraining und meinen Jahresurlaub.“

Es gab viele Höhen mit Top-Platzierungen und eine große Tiefe mit der „Teamverletzung“. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Reckermann: „Die Frage beantwortet sich fast schon von alleine. Die Resultate vor unseren Verletzungen waren sehr gut, wir hatten ein konstant hohes Niveau, auch wenn diesmal kein Turniersieg auf der World Tour dabei war. Wir wurden beinahe ausschließlich von Rogers/Dahlhausser bezwungen, dem in diesem Jahr einfach eindeutig bestem Team auf der Tour. Dann kamen die beiden Verletzungen, natürlich inmitten der Saison höchst unwillkommen, aber auch das gehört zum Hochleistungssport leider dazu. Umso erfreuter waren wir, dass sich die Plackerei in der Reha durch den zweiten Platz beim Grand-Slam in Polen und den Gewinn der Deutschen Meisterschaft am Ende wirklich noch gelohnt hat.“

Es muss für das Erfolgs verwöhnte Weltmeister-Duo doch immens schwer gewesen sein, bei der EM nur Neunter und eine Woche später bei der World Tour nur 17. geworden zu sein, oder?
Reckermann: „Natürlich sind das Resultate, die uns nicht zufrieden stellen und die es zu verdauen gilt. Doch zum einen wussten wir, dass die Zeit nach der Verletzungspause nicht einfach werden würde, und zum anderen stellen solche Erlebnisse natürlich auch eine große Motivation für die lange, lange Saisonpause dar, in der wir dann im Training wieder voll angreifen werden.“

In Timmendorfer Strand wurden nochmals alle Kräfte mobilisiert und der Titel gewonnen. Nur ein weiterer Titel oder mehr nach der eher enttäuschenden EM und der Verletzung?
Reckermann: „Deutscher Meister in Timmendorfer Strand zu werden ist immer etwas Besonderes! In diesem Jahr kam natürlich noch der besondere Umstand der Verletzungspause und der nicht sehr erfolgreichen EM hinzu. Wir wollten unbedingt dort gewinnen und Deutscher Meister werden, ich glaube. das hat man uns auch angemerkt.“

Die World Tour wurde von den überragenden Olympiasiegern Rogers/Dalhausser (USA) geprägt, die bei zwölf Turnierstarts neunmal gewannen. Sechsmal mussten Sie sich in dieser Spielzeit geschlagen geben. Warum waren sie so dominant?
Reckermann: „Weil es im Augenblick einfach das mit Abstand beste Team ist. Es spielt der beste Blocker mit dem besten Abwehrspieler zusammen, Todd (Rogers) muss nur einigermaßen seinen Sideout halten - den Rest machen die beiden in Block und Abwehr. Wir waren zumindest zweimal dicht dran, die beiden zu schlagen und werden den Abstand hoffentlich verkürzen oder einholen, wenn es uns gelingt, die Zeit bis zum Beginn der Saison 2011 im Training optimal zu nutzen. Sie sind definitiv nicht unschlagbar - ich hoffe, wir werden es schon im nächsten Jahr unter Beweis stellen...“

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Foto FIVB: Gegen Rogers/Dalhausser (der Blocker links im Bild) verloren Brink/Reckermann in dieser Saison alle sechs Vergleiche.

Sind Rogers/Dalhausser das Team, welches zu schlagen ist? Auch bei der WM 2011 und den Olympischen Spielen 2012?
Reckermann: „Todd und Phil werden definitiv als Favoriten in die kommenden Großereignisse gehen. Das heißt jedoch nicht, dass man nur sie schlagen muss, um vorne zu landen. Marcio/Ricardo (BRA) etablieren sich gerade ganz vorne im Starterfeld, Emanuel/Alison (BRA) sind nie abzuschreiben, und auch aus Europa kommen sehr gute Teams. Wie die die Spanier Herrera/Gavira, Nummerdor/Schuil (NED) oder die russischen Teams.“

Das große Ziel sind die Olympischen Spiele 2012. Dazu gibt es einen veränderten Qualifikationsmodus – nicht nur die Weltrangliste ist nun relevant. Wie finden Sie als Aktiver diese Regelung?
Reckermann: „Es ist schon ein bisschen komisch. Einen Monat vor dem ersten Qualifikationsturnier wussten wir noch nicht einmal, wann und wo die erste Runde ausgetragen wird. Hinzu kommt ein nicht nur für Außenstehende kaum verständlicher Modus. Noch nach dem Sieg in Slowenien dachten die Norweger, sie wären automatisch für die 3. Runde qualifiziert - dem ist aber gar nicht so...Dieser Modus hat aber auch Vorteile: Er bietet eine zweite Chance, sich einen Startplatz zu sichern, und es ist sehr attraktiv, für sein Land zu starten. Wir hatten im Team Deutschland sehr großen Spaß in Slowenien, ein völlig neues, aber sehr positives Gefühl, zusammen mit den anderen Nationalteams die deutschen Farben zu vertreten.“

Ganz neu bei dem so genannten „Continental Beach Cup“ ist die Tatsache, dass die Nationen in einer Art Davis Cup-Modus antreten. Wie gefällt Ihnen dieser Teamgedanke?
Reckermann: „Zum Teamgedanken habe ich mich ja schon geäußert. Auch der Davis Cup-Modus ist durchaus reizvoll. Ich würde mir dennoch einen leicht abgewandelten Modus wünschen, denn theoretisch wäre es denkbar, dass ein "Über-Team" ganz alleine den Sieg für sein Land einfährt, weil es neben den zwei Punkten aus den normalen Duellen auch noch einen entscheidenden „Golden Set“ spielen dürfte. Dies trägt nicht unbedingt zum ursprünglichen Gedanken bei, dass insbesondere Länder, die eher nicht ganz vorne in der Beach-Volleyballwelt mitspielen, durch diesen Modus die Möglichkeit der Olympiaqualifikation eingeräumt werden soll.“

Bei der ersten Runde des „Continental Beach Cup“ musste sich „Team Deutschland“ mit den Top-Team Brink/Reckermann und Klemperer/Koreng Norwegen im Finale geschlagen geben. Wie groß war die Enttäuschung und wie kam es dazu?
Reckermann: „Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber man muss zum einen auch eingestehen, dass die Norweger wirklich sehr gut gespielt haben und sowohl wir als auch „Klempeng“ nicht mehr ganz frisch im Kopf und in den Beinen waren. Wir haben alles gegeben und uns nach 0:2-Rückstand ja noch einmal bis in den „Golden Set“ gespielt. Da waren Julius und ich nur 10 Minuten nach unserem Tiebreak-Sieg gegen das andere norwegische Team dann auch ein wenig platt und konnten die Norweger leider nicht bezwingen.“

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Foto CEV: Konnte sich in Slowenien nochmals zu einer ordentlichen Leistung aufraffen, die mit Platz zwei hinter Norwegen belohnt wurde: Jonas Reckermann (im Vordergrund).
Noch ist die Saison nicht beendet. Am Wochenende werden Brink/Reckermann im Rahmen der „Red Bull Beach Boys“ auf ein starkes Vierer-Team treffen. Können Sie sich da nochmals zu einer starken Leistung aufraffen?
Reckermann: „Selbstverständlich! Zwar befinden wir uns offiziell bereits in der Off-Season, aber wer uns kennt, weiß, dass wir es beide hassen zu verlieren. Wir werden am Sonntag Nachmittag (15.00 Uhr) noch einmal richtig Gas geben! Dass wir vorher nicht mehr trainieren, sollte unsere Gegner nicht zu sehr erfreuen, denn es handelt sich um eine "lohnende Pause", dank Superkompensation werden wir Sonntag frischer sein denn je… Zusätzlich gibt es am Samstag natürlich eine Spielerparty in einer der angesagtesten Diskotheken Düsseldorfs, dort werden wir unsere Konkurrenz auf der Tanzfläche ausspionieren! Das Spiel kann sich übrigens natürlich Jedermann kostenlos in der „Beachhalle Mensch“ ansehen, und es wird durchaus ernsthafter Sport geboten, schließlich hat smart vier Autos ausgelobt, sollten die vier Herausforderer gewinnen!“

Oder benötigen Sie doch den ein oder anderen Schluck aus der Dose ihres Sponsors?
Reckermann: „Das wird sicherlich helfen, am Morgen nach der Party in Schwung zu kommen! Ich fürchte nur, dass wir keinen Wettbewerbsvorteil daraus ziehen können, denn auch unsere Gegner werden sich wohl den ein oder anderen Schluck genehmigen...“

Eine Woche später geht es nach Brasilien, wo ihr Sponsor einen interessanten Vergleich „Nord- gegen Südhalbkugel“ auf die Beine gestellt hat. Sie vertreten mit den Schwaiger-Schwestern (AUT) die Nord-Halbkugel, die Brasilianer Alison/Emanuel und die Salgado-Schwestern die Südhalbkugel. Erzählen Sie mal etwas über dieses Event!
Reckermann: „Eine sensationelle Idee von unseren Freunden aus Brasilien! Durch das brasilianische Macapa verläuft der Äquator und am 23.09. wird die Sonne dort im Zenit stehen. Es wird das Netz so gespannt, dass sich die eine Feldhälfte auf der Nord- und die andere auf der Südhalbkugel befindet. Wir spielen dann in einem zweistündigen Spiel zusammen mit den Schwaiger-Schwestern (alle 10 Minuten werden die Teams neu zusammengesetzt) gegen die Teams der Südhalbkugel. Es wird ein großes Stadion geben, außerdem wird das Spiel live im brasilianischen Fernsehen gezeigt.“

Danach ist die Saison definitiv vorbei. Wo verbringt ein Beach-Volleyball Profi seinen Urlaub? Doch eher nicht am Strand, oder?
Reckermann: „Richtig geraten. Ich werde von Brasilien aus direkt nach Las Vegas fliegen und zusammen mit meiner Freundin mit einem Wohnmobil durch Nevada und Kalifornien Richtung San Francisco tingeln. Handy und Internet ruhen in der Zeit dann endlich mal für mich - nur Samstags um 15.30 Uhr MEZ muss ich vielleicht mal kurz rückfällig werden…“



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